So, nun komme ich endlich mal dazu, etwas zu schreiben, das war ein bisschen viel in den letzten zwei Tagen. Alles in Allem bin ich gut angekommen, richtig klasse mit der Lufthansa, denn mit dem Code, den ich auf mein Handy geschickt bekommen habe, konnte ich vom Gepäckschalter bis zum Check-In einfach durchlaufen. Komfortabler gehts gar nicht. Dazu noch Direktflug, das heißt, ich konnte gestern noch richtig aktiv sein! Ich bin mit dem Bus nach Cheongnyangni (정량리) gefahren und habe dort Marie getroffen - schon cool, sich an solch einem Ort wiederzusehen. Seoul ist soweit ziemlich groß (ich bin allein über eine Stunde durch die Stadt gefahren mit dem Bus) und die Sprachbarriere ist - zumindest jetzt noch wo ich mich noch nicht so sehr traue etwas zu sagen - recht hoch. Aber erstmal ausschlafen....
Wie ich schon erwähnt hatte, hat ein Freund von Marie, Yoon (herzlichen Dank an dich schonmal), der gerade in China ist, mir netterweise sein Zimmer zum Übernachten zur Verfügung gestellt. So kann ich gleich mal hautnah erleben, wie es sich hier so wohnt. Das Zimmer ist recht klein, was aber in asiatischen Ländern Normalgröße ist (ich schätze so 8m²), aber super nett und völlig ausreichend. Ich will ja auch gar keine Luxusherberge! Die Wohnung ist in einem kleinen Haus, was auf dem Dach eines Restaurantgebäudes steht. Was die Bude hier erst richtig klasse macht, ist die Dachterrasse! Wie genial ist dieser Blick denn? (siehe Foto). Die Wohnung ist auch direkt in der Nähe von Maries Wohnung und gleichzeitig auch in der Nähe von der
Hankuk Unversity of Foreign Studies, der Universität mit ausländischem Schwerpunkt, an der auch Marie gerade studiert. Alles in Allem echt cool.
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| Blick auf Seoul von der Dachterrasse |
Leider habe ich noch keine Batterien für meine Kamera nachgekauft, also musste ich mit Maries Kamera, deren Bilder ich gerade nicht habe, oder meinem Handy vorlieb nehmen, also verzeiht mir, wenn es ein wenig verwackelt aussieht.
Der zweite Tag, also heute, begann recht entspannt. Erstmal den Jetlag weggeschlafen und dann ein wenig hier in der Gegend herumspaziert, den Unisportlern beim Baseball-Training zugeschaut (Baseball ist, wie in Japan auch, ein sehr populärer Sport) und mich dann am Nachmittag wieder mit Marie getroffen. Wir hatten eigentlich vor, in das Seoul Museum of National History zu gehen, sind dann aber (weil wir anscheinend ein Anderes gefunden hatten) in das Seoul Museum of Contemporary History gegangen. Das war wirklich sehr interessant, weil ich vor Allem von der jüngeren Geschichte Südkoreas, die auch den Alltag heutzutage sehr prägt, nicht viel wusste. Auf jeden Fall ein Augen öffnender Moment, weil die Südkoreaner in den letzten 120 Jahren echt viel durchmachen mussten. Das erklärt auch die gute Portion Patriotismus und Militarismus, die ich hier schon mitbekommen habe. Korea als einziges geteiltes Land der Welt leidet noch immer unter dem schwärenden Konflikt mit der "Volksrepublik" Nordkorea, der durchaus auch in einigen Scharmützeln immer wieder aufflammt, und hat daher eine sehr auf Verteidigung ausgerichtete Politik, was durchaus verständlich ist.
Nach dem Museumstrip sind wir mit der U-Bahn-Linie 2, auf der an dem Tag auch ein Unfall mit 170 Verletzten war (hoffentlich sind alle wohlauf) nach Sinchon (신촌) gefahren, um mit ein paar Leuten essen zu gehen. Wir haben dann zusammen ein Koreanisches Barbecue gemacht, mit verschiedenen Fleischsorten und einer Suppe mit Meeresfrüchten.

Wirklich lecker und ich glaube ich habe noch nie so viele fremde Sachen auf einmal verputzt. Fabian und Guido, Freunde von Darja, einer Hamburger Kommilitonin von Marie, haben auch nicht gezögert und mir eine Einführung in die koreanische Ess- und Trinkkultur gegeben, inbesondere der "Shaky Shaky" war interessant: Dabei wird Bier (멕주) mit Süßkartoffelschnaps (소자) in ein Glas gegeben und im selben Glas ist noch Cola zwischen zwei Shotgläsern eingeklemmt. Da es ein recht kleines Glas ist, wird es in einem Zug geleert, und da die Cola so "eingeklemmt ist", muss man, wenn das Getränk fast leer ist, es von Seite zu Seite schütteln, also "shaken". Dann kommt die Cola frei und verlieht dem Ganzen sin süßes Finish. Unglaublich, auf was für Ideen man kommen kann! Es war echt ein klasse Abend. Auf dem Rückweg war es schon so spät, dass ich (diesmal allein unterwegs) vor der Station, zu der ich eigentlich wollte, aus der U-Bahn geworfen wurde.... Naja alles halb so wild, ich wollte ohnehin mit dem Taxi weiter. Also Taxis rangewunken. Im Gegensatz zu Deutschland heißt eine leuchtende Lampe auf dem Dach nicht, dass das Taxi frei ist, nein in der Frontscheibe des Taxis muss ein roter Schriftzug aufleuchten. Erster Fehler. Manche Taxen haben mich dann auch einfach nicht mitgenommen, aber beim fünften Taxi hat es dann endlich geklappt. Ich bin zur Uni (deren Name ich wenigstens kannte, viel Spaß, wenn man hier nur Englisch kann o_o) gefahren worden und von da konnte ich die Heimreise zu Fuß antreten. Wer hätte gedacht, dass auch so kleine Dinge hier ein solches Abenteuer sein können! Bis dahin!