Sonntag, 4. Mai 2014

Sewol - Tragödie

Ein unangenehmes, aber hier extrem präsentes Thema, über das ich noch schreiben möchte, ist der Untergang der Sewol-Fähre (세월호). Die Präsenz dieses Themas ist bisher ein großer Teil von dem, was ich in Seoul zu sehen bekam, also ist er es auch wert, berichtet zu werden. Die Sewol war auf dem Weg von Incheon (Nähe Seoul) nach Jejudo und kenterte vor der südwestlichen Küste Südkoreas. Das Unglück forderte bereits über 240 Leben, einige werden noch vermisst. Die Passagiere an Bord waren vor allem Schüler im Teenager-Alter, die sich auf einem Schulausflug befanden. Besonders die mangelhafte Kommunikation und die fehlerhafte Reaktion der Crew auf das Kentern des Schiffes führte zu solche einer hohen Zahl an Opfern. Soweit zum Bekannten.

Das Unglück hat die Nation sehr tief getroffen. Jegliche größeren Festivals oder Feierlichkeiten in näherer Zeit sind abgesagt worden und das Fernsehprogramm wurde auf Nachrichtensendungen reduziert. Täglich kommen neue Berichte über die Bergung und sonstige auf das Unglück bezogene Nachrichten. Neuveröffentlichungen von Fernsehdramen oder Musikinterpreten, sowie Konzerte etc., sind rigoros abgesagt worden. Geschäftsleute tragen eine gelbe Schleife an ihren Anzügen als Symbol der Anteilnahme.

Die Farbe Gelb ist als Symbolfarbe für das Gedenken an die Opfer ausgewählt worden. An vielen Stellen in Seoul seiht man gelbe Bänder, auf denen Wünsche und Zeichen der Anteilnahme an die Opfer und die Hinterbliebenen geschrieben stehen. Sehr oft sieht man auch Gedenkschreine, die in Gelb gehalten sind. Der größte dieser Schreine war in der Nähe der Paradestraße bei der City Hall (siehe Bild). Die massive Anteilnahme der koreanischen Bevölkerung ist zwar sehr rührend, allerdings wirkt das ganze teilweise übertrieben. Das Unglück ist nunmehr über zwei, fast drei Wochen her und von Normalität kann nicht gesprochen werden. Die Frage, inwieweit die Kultur Koreas die Anteilnahme fortwährend bedingt, kann ich nicht beantworten. Viele Leute sagen, dass die Regierung, die hierzulande einen sehr starken Einfluss auf die Medien hat, diese Stimmung noch aufrechterhält, indem sie das Fernsehen usw. dahingehend reguliert. Doch es ist nicht an mir, das zu bewerten. Wer weiß, wie die Deutschen reagieren würden.

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