Freitag, 9. Mai 2014

Lonesome Ranger


Da Marie am Freitag eine wichtige Prüfung hatte und lernen wollte, war ich zwei Tage lang allein unterwegs. Glücklicherweise gab es genug zu sehen, worauf sie keine Lust hatte, weil sie die Sachen schon kannte. Also standen zunächst das War Memorial und das National Museum of Korea auf dem Programm. Leider waren beide Museen am Mittwoch geschlossen. Selbst das Internet konnte mir vorher nicht sagen, dass aufgrund der beiden Feiertage vorher genau der nächste Werktag der Ruhetag des Museums ist. Am War Memorial gab es zum Gluck auch außerhalb viel zu sehen, die Ausstellung über die Militärgeräte und die Gedenkhallen für die im Koreakrieg Gefallen waren draußen und frei zugänglich. Okay, dachte ich mir, dann eben weiter zum National Museum. Zu Fuß unterwegs, konnte ich mir die übertrieben hohen Apartementgebäude anschauen. Die Dinger sind alle riesig, bei den kleinen Apartementboxen, denen gewohnt wird, wohnen bestimmt tausend Leute in so einem Gebäude.





Das National Museum hatte auch geschlossen. Einige andere Ausländer saßen auch etwas planlos davor. Ehrlich gesagt wusste ich dann auch nicht mehr weiter, wer hatte denn gedacht, dass der erste Tag, an dem man mal allein unterwegs ist, so ein Fehlschlag sein wurde  - schon peinlich. Neben dem National Museum war mein Plan B, der ... Family Park, eine Grunanlage, die recht hubsch anzusehen war. Unter Anderem gab es dort einen Garten, in dem die traditionellen Pflanzen zum Färben angebaut wurden. Etwas weiter südlich von meiner Position war der Hangang (한강), der große Fluss, der Seoul praktisch in zwei Teile teilt. Das nördliche Flussufer war früher total zugemüllt und ekelhaft, deswegen hat Seoul beschlossen, das Ganze generalzuüberholen. Dadurch hat sich der ganze Fluss zu einem Naherholungsgebiet gewandelt, was paradiesische Strecken für Jogger und Radfahrer umfasst. Ist wirklich ganz hübsch dort, sofern man denn mal einen Eingang gefunden hat.

Am nächsten Tag wusste ich ja immerhin schon, wo ich hin musste. Also lies ich das War Memorial aus und bin direkt ins National Museum gegangen. Dort gab es eigentlich alles zu sehen, was in Korea vor den Krieg wichtig war. Von den ersten Artefakten aus der Ur- und Frühgeschichte über die historische Entwicklung zu einem Provinzenstaat bis hin zu den Bemühungen des alten Koreas, dem westlichen Einfluss zu widerstehen. Interessant, welchen Einfluss die Einführung der buddhistischen und konfuzianistischen Lehre auf die Kultur gehabt haben (sogar bis in die industrielle Zeit hinein). Mein Lieblingsteil war die Ausstellung über Kalligrafie und Schrift. Hier wurden die verschiedenen Schriftstile dargestellt, die alle mehr oder weniger schwer zu unterscheiden waren.


Danach bin ich noch nach Insa-Dong, einem eher touristisch geprägten Stadtteil gefahren. HIer gab es eigentlich alles zu kaufen, was man sich so vorstellen kann. Besonders cool fand ich ein Kaufhaus, was wie eine Spirale aufgebaut war. In einer Art Innenhof konnte man einfach an der Ballustrade entlanggehen, und ohne Treppensteigen bis in den vierten Stock hinauf laufen. Überall kleine Läden, in denen man dies und das erstehen hätte können (die Preise hier waren schon etwas...gehoben). Anfangs suchte ich nach etwas kalligrafischen zum Mitbringen und bin in eine Kalligrafie-Straße geraten, wo es nur solche Läden gab. Die allerdings boten nur wirklich gehobenes Profi-Equipment an, und als ich wörtlich nach "günstigen Dingen" fragte, wurde nur höflich abgewunken.





Heute, Freitag, musste ich noch einiges für den Wochenendtrip von Japan vorbereiten und deswegen war hier nicht so viel los. Aufgrund von Verspätung unseres Fluges mussten wir unser Hotel stornieren, und in Anbetracht der exorbitanten Transportkosten mit dem Taxi
Sewol-Banner zum Gedenken
bei Nacht nach Osaka haben wir uns entschieden, in der Nahe des Flughafens zu übernachten. Das ist immer noch deutlich günstiger, wir haben im Best Western Zimmer für 33€ pP bekommen und werden dann in aller Früh Richtung Kyoto aufbrechen, um uns mit Yuki und Nick zu treffen.

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